Sonntag, 18. November 2012

Ich sitze am offenen Fenster, mein Atem kondensiert. Vor ein paar Wochen ist der Winter gekommen und hat den Tod mit sich gebracht. Er hat sich wie eine weiße, dämpfende Decke über die  verlassenen Felder gelegt. Kriecht wie ein sterbendes Tier durch die dunklen, dreckigen Gassen der Stadt und überfällt nichts ahnende Fremde. Die Menschen wagen sich nicht mehr aus ihren Häusern, klammern sich an die Wärme. Auch sie spüren den Tod, der tief begraben in ihnen schlummert. Und ich sitze hier, am offenen Fenster, mein Atem kondensiert, Gänsehaut auf den Armen. Die Kälte schalteten jedes Gefühl aus. Wischt all die Erinnerungen fort. Nichts bleibt, Leere füllt mich aus. Leere Augen, leere Lippen, leerer Bauch. Ein leeres Lächeln, meine Mundwinkel zucken nach oben. Niemand bemerkt den Unterschied, niemand sieht hin. Hilfeschreie hallen von den leeren Wänden, der leeren Räume. Alle reden auf mich ein, doch ich sehe nur wie sich ihre Lippen bewegen. Worte haben ihre Bedeutung verloren, sind nur noch beliebige Buchstaben, zu einer Kette zusammen gereiht. Und ich schreibe, und schreibe und schreibe die leeren Wände voll Schreie.

http://www.youtube.com/watch?v=14VxXTnB2l0&feature=related



1 Kommentar:

  1. deine worten werden nie an bedeutung verlieren,
    denn sie berühren herzen
    ahnungsloser menschen, denen der lebenswille abhanden gekommen ist.

    du bist ein wundervolles einhorn.

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