Montag, 2. April 2012

Wolfsaugen

Blicke ihm direkt in seine kühlen Augen. So Nahe. Sie haben rein garnichts animalisches an sich, wirken menschlich. Verständnisvoll, klar, intelligent. Aufmerksam mustert er mich, dann öffnet er seine Schnauze, entblößt erschreckend spitze Zähne. Beginnt sein trauriges Lied erst leise, wird immer lauter. Gänsehaut. Eine Träne läuft mir über die Wange, fällt zu Boden und versickert. Vergrabe mein Gesicht in seinem dichtem Fell und ich weiß, er versteht mich. Er versteht alles. Und sein Lied lässt mich an seinem Inneren Teil haben, lässt mich seine Traurigkeit spüren und wissen, dass er es weiß. Dass er weiß, dass ich irgendwann ein eingesperrtes Zebra sein werde, mit Freilaufgehege und Öffnungszeiten. Ein zebra, das gehorcht und dafür täglich einen vollen Napf vorfindet.
Du bist doch frei Wolf, warum läufst du nicht davon?
Weil die Welt dadurch nicht besser wird, verstehst du?
 Aber ich will doch daran glauben.


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